Mitfahrgelegenheit – “Ein Erlebnis” oder “Ist das wirklich sicher?”

Ich bin es schon oft gefragt worden. Heute erst wieder, und daher nehm ich das hier an dieser Stelle mal zum Anlass, öffentlich darüber zu reden. Die Ausgangsfrage lautet:

“Ist Mitfahrgelegenheit seriös und sicher? Kann man sich auch als Frau gefahrlos in ein fremdes Auto setzen?”

All jenen, die diese Frage überhaupt stellen, sei gesagt: Eure Eltern haben Euch (mindestens in diesem Bereich) gut erzogen! Man steigt nämlich in der Tat nicht bei Fremden ins Auto, egal, ob man nun 7 oder 27 Jahre alt ist. Ausgenommen sind wohl der Taxi- oder Busfahrer.

Aber Spaß beiseite, Ernst, komm mal her! Ernst! So Ernst, dann sag mal, wie das mit der Mitfahrgelegenheit so ist.

Ernst: “Also, das mit der Mitfahrgelegenheit ist so…….”
Ernst, Ruhe jetzt! Ich erzähl das! Also. Jetzt aber wirklich und echt.

Bedingt durch meine Fernbeziehung (die vllt ja irgendwem irgendwann mal aufgefallen ist) ist es so, dass ich mich natürlich auch mit den Möglichkeiten auseinander gesetzt habe, von A nach B (eben von Düsseldorf nach Weimar) zu kommen. Grundsätzlich gibt es da natürlich einige Methoden, die da wären:

  • selber mit dem Auto fahren – was natürlich für jemanden ohne Auto schwer ist.
  • Fliegen. Ist ohne Flügel natürlich schwer, mit den Billig-Fliegern aber im gewissen Rahmen eine Alternative,
  • Bahn fahren. Die fährt immerhin andauernd.
  • eben die Mitfahrgelegenheit!

So Scherzantworten wie “zu Fuß gehen” oder “mit dem Rad fahren” sind an dieser Stelle natürlich bewusst ausgespart ;-)

Gegen Fliegen spricht zum einen der Aufwand, der rund um einen Flug geschieht: Anreise zum Flughafen, Check-In-Prozedur, Abreise vom Flughafen. Dank Billigfliegern allerdings möglicherweise ähnlich günstig wie eine Mitfahrgelegenheit, aber (meistens) nicht so kurzfristig buchbar.

Die Bahn fährt natürlich immer und quasi überall hin. Und meistens oftmals manchmal auch pünktlich und bequem. Nun gut, die Fahrtzeit (in einem IC/ICE) ist sicher ähnlich wie eine Mitfahrgelegenheit, aber die (insbesondere kurzfristige) Verfügbarkeit einer Verbindung ist quasi nicht gegeben. Je größer die Strecke und je länger die Vorlaufzeit, desto eher lohnt sich natürlich womöglich eine Bahnfahrt.

So, nun aber zum Kernpunkt des Ganzen hier: Das Nutzen der Mitfahrgelegenheit!

Dafür spricht (was man den vorherigen Punkten auch schon (in)direkt entnehmen konnte:

  • Es ist kostengünstig (i.d.R. 5(-7) Euro/100km)
  • Es geht schnell (in den meisten Fällen etwa 100km/h inkl. Stau/evtl. Pausen etc.)
  • Es ist (relativ) bequem (eine große Limousine mehr als ein Corsa ;-) ) – bequemer als ein voller IC(E) oder ein Billigflieger allemal!
  • Es ist kurzfristig “buchbar” (3-7 Tage vorher sind dennoch zumindest “gut”, aber keine Voraussetzung)
  • Man bekommt (im Normalfall), wenn man es möchte, Unterhaltung geboten (eben durch Unterhaltung :-D )

Womöglich gäbe es noch weitere (kleinere und nicht so gewichtige)Punkte, die für die Mitfahrgelegenheit sprechen, aber die genannten sind definitiv die Hauptgründe. Der Grund, warum ich explizit die Mitfahrgelegenheit, nicht aber die Mitfahrzentrale, erwähne, ist, dass dort die Vermittlung an einen Fahrer schon Geld kostet.

Um die angezeigten Mitfahrgelegenheiten zu erhöhen, lohnt es sich übrigens, die “Umkreis-Suche” zu benutzen. Grade bei (NRW-)Studenten mit (NRW-)Ticket würde sich ein Blick über den städtischen Tellerrand hinaus lohnen. Also statt von Düsseldorf von Köln aus losfahren (Hinweise auf “Verbotene Stadt” sind an dieser Stelle weder von Düsseldorfern noch von Kölnern notwendig ;-) ).

Nun die Frage vom Eingang, ob das Ganze “sicher” ist. Natürlich habe ich selbst (männlich, 1,97m) nicht das Problem, dass ein potentieller Vergewaltiger oder Mörder an mir viel Spaß haben würde.
Aber auch für die Damen unter uns sei von mir (ohne Gewähr natürlich, rein aus empirischer Beobachtung!) gesagt: Nichts auf dem Planeten ist sicher, aber die Mitfahrgelegenheit Nutzende sind in der Regel einfach Pendler, die zB in München wohnen und in Köln arbeiten, und dementsprechend jedes Wochenende (oder zumindest regelmäßig) in die Heimat fahren. Und in der Bahn oder im Flugzeug gibt es mindestens genauso viele Verrückte.

Desweiteren sind Fahrten, bei denen man als Mitfahrer alleine mit dem Fahrer fährt, extrem selten bis (mittlerweile) gar nicht mehr vorhanden. Selbst vor kurzem, bei einer Fahrt ab 4.30h morgens (!) waren wir zu fünft im Auto!

Als Frau kann man sich also in der Regel sicher sein, dass noch 2-3 weitere Mitfahrer an Bord sein werden, wovon dann mindestens einer immerhin männlichen Geschlechts sein sollte (zuzüglich dem hier angedachten männlichen Fahrer). Eventuelle Übergriffe erschweren sich natürlich mit der Zahl der Mitfahrer, man kann da also im Großen und Ganzen beruhigt sein.

Auch die Frage nach rasenden Fahrern in verkehrsuntüchtigen Fahrzeugen ist berechtigt. Die Wagen sind alle gut in Schuss (und zumeist nur wenige Jahre alt), und die Fahrer fahren, gerade, wenn sie mit Fremden unterwegs sind, sehr behutsam. Ausnahmen könnten die Regel allerdings bestätigen ;-) Aber dann kann man ja auch darüber sprechen!

Das Schlimmste, was mir in meiner Zeit bisher passiert ist, sind unkommunikative (Mit-)Fahrer, Unpünktlichkeit mancher Beteiligter (was bis auf einen Ausreißer auch ausschließlich Mitfahrer waren) oder (in meinen Augen) zu teure Fahrten. Die oben angesprochenen 5-7€/100km sind der Vollständigkeit halber realistisch, aber 7€/100km einfach vollkommen überzogen (grad bei zuletzt gesunkenen Spritkosten). Außer natürlich, der Fahrer möchte damit seinen Lebensunterhalt verdienen. Bei 4 Mitfahrern im Auto wären es immerhin 28€/100km Fahrt. Selbst nach Abzug sämtlicher Kosten ließe es sich damit zumindest halbwegs leben.

Schlimmer sind nur noch (und das gibt es scheinbar tatsächlich) professionelle Mitfahrgelegenheiten. Die dann mit einem Kleinbus regelmäßig von A nach B und zurück fahren, nur, um sich was dazu zu verdienen. Da kommen dann natürlich keine Gespräche auf, und die Fixierung auf den Verdienst schmälert die Wahrscheinlichkeit, dass die Fahrt günstig ist.

So, zum Abschluss noch: Fahrt mit, lasst Leute mitfahren, traut Euch! Dies soll nicht missionarisch klingen, kann sich aber in vielen Fällen einfach lohnen! Danke fürs Lesen, ich würd mich über Kommentare/Erfahrungen wirklich freuen! :-)


10 Kommentare zu “Mitfahrgelegenheit – “Ein Erlebnis” oder “Ist das wirklich sicher?””

  • Tobi Says:

    … allzeit gute mitfahrgelegenheit!

    Ein schönes Statement – DANKE!

  • fkf Says:

    Zu deinen Hinweis:”Ausgenommen sind wohl der Taxi- oder Busfahrer.” fallen mir gleich mehrere Situationen ein, die natürlich nicht für alle personenbefördernden Menschen gelten und hoffentlich eher eine Ausnahme sind!

    Situation 1)
    Bekannte von mir fährt mit dem Taxi nach Hause und wird von dem Taxifahrer so extrem und widerlich angebaggert, dass Sie kurz davor war auszusteigen! Daheim angekommen, konnte Sie seinen Wunsch mit hochzukommen nur mit dem Spruch:” Mein Mann hätte wohl was dagegen und mein Kind schläft schon” abwenden.

    Situation 2)
    FKF fährt mit einem Großraumtaxi von Party A zu Party B und ist an der grünen Ampel ausgestiegen, weil die Taxifahrerin extrem angetrunken war und Schlangenlinien fuhr! Einziger Vorteil: Er zahlte nicht einen Cent für die zurückgelegte Strecke.

    Situation 3)
    FKF fährt mit dem Taxi von Party nach Hause und musste den Taxifahrer mehrmals daraum bitten die Geschwindigkeit von über 90 km/h in der Innenstadt zu drosseln.

    Situation 3)
    Busfahrer in meinem Wohnort fährt mit einem, mit Kindern voll beladenem Bus mit extrem erhöhter Geschwindigkeit durch die Innenstadt und konnte erst von der Polizei gestoppt werden. Grund war, dass sein Chef mehrmals per Handy Druck machte, weil er den Fahrplan wegen Baustellen, um 8 Minuten nicht einhalten konnte!

    In diesem Sinn!

    Allzeit gute Fahrt, womit auch immer! :D

  • fkf Says:

    Nachtrag:

    zu Situation 2)

    sorry, es sollte “an der roten Ampel” heissen!

    Jetzt schreib ich schon farbenblind! o.O

  • Buba Says:

    Lieber fkf, ich hätte ja erwartet, dass du nach deiner Beschwerde früher des Tages meine Bemühungen jetzt mehr lobpreist! :-P

    Danke Tobi für den Kommentar, freut mich :-)

  • fkf Says:

    Lieber Buba!

    Herzlichen Dank für das Verfassen dieses unglaublich interessanten und lesenswerten Beitrags!
    Ich habe mich sehr gefreut, nach langer Zeit wieder soviele gute und journalistisch perfekt verpackte, fast schon lyrische Zeilen lesen zu dürfen!

    Nochmals vielen, vielen Dank!

    BTW: Zum eigentlichen Thema kann ich leider nichts hinzufügen, da ich keinerlei Erfahrungen mit MFG machen durfte, da ich früher nur getrampt bin und heute den Fussweg, das Taxi oder den Streifenwagen bevorzuge!

    In höchster Achtung, in Anbetracht der Glanzleistung,
    FKF

  • MfgFan Says:

    Noch ein Vorteil: Die Umwelt wird geschont, wenn man bei jemandem mitfährt/jemanden mitnimmt, anstatt dass alle selber mit dem Auto fahren. Und die Bahn hat es mehr als verdient, dass es eine Alternative zum Monopol gibt. Doof ist nur, wenn man von der MFG versetzt wird und dann kurzfristig die Bahn nehmen muß. Günstiger wird sie dadurch nämlich nicht..
    Viele Grüße von Sarah, die jetzt endlich das Wörtchen ‘Fern’ aus dem Beziehungsstatus streichen konnte.
    P.S.: Wann kommst du denn mal nach Karlsruhe? Mit MFG ca. 17€/Strecke von Ddorf aus. :-)

  • Masta82 Says:

    Tja, viel kann ich da nicht mehr hinzufügen. Da du mir das ja mal empfohlen hast, preise ich mich ja jetzt auch regelmäßig als Fahr-Flittchen an :-D

    Und bis jetzt hab ich eigentlich nur positive Erfahrungen gemacht, wenn man mal von unkommunikativen mitfahrenden Geisteswissenschaftlerinnen ;-) oder den abendlichen Anrufen von i-welchen “Honks” absieht, die einem ohne Begrüßung ins Telefon blöken: “Fährst du morgen nach…?”

    Aber ich werd’s immer wieder tun und kann das jedem nur empfehlen!

  • Bob Says:

    Schöner Beitrag! mitfahrgelegenheit.de forever!

  • Kati Says:

    Eine Freundin von mir fährt regelmäßig, mehrmals im Monat mit Mitfahrgelegenheiten, die sich sich auf mitfahrgelegenheit.de sucht. Sie hat bisher immer nur gute Erfahrungen gemacht, es war zwar schon einmal so, dass einer kurz vorher abgesagt hat, weil sein Auto kaputt gegangen ist, aber das kann wohl einfach mal passieren.
    Ich würde auch allen raten, sich einfach mal zu trauen, denn wie gesagt: ich habe bisher noch keine negativen Erfahrungen gehört und man spart einiges an Kohle dabei.

  • Buba Says:

    Danke Kati für den lieben Kommentar :-) Ich hatte den Fall mit dem kaputten Auto auch einmal, hab ich hier niedergeschrieben:

    http://www.bratwurstchristian.de/2010/01/26/die-mitfahrgelegenheit-zu-weihnachten-drama-oder-komoedie/

Hinterlasse einen Kommentar