Besser (ganz) spät als nie: Slowmo´s – das Finale
Auch wenn das Geschehene bereits einige Monate her ist, dem Interesse der Öffentlichkeit soll und muss Genüge getan werden. Also los:
Am 13.07.2010 trafen sich die beiden Finalisten zur letzten Schlacht. Das moderne Gegenstück zur Schlacht um Minas Tirith. Nur ohne Untote. Und ohne Orks. Also eigentlich ein Fußballspiel.
Die Partie lautet wie bereits am 2. Spieltag: Milchmäuse gegen Slowmo´s. Beim ersten Aufeinandertreffen konnten die Milchmäuse noch von Glück und dem Unvermögen des Slowmo-Torwarts (und Blogschreibers) profitieren und ein 1:1 erduseln. Doch diese Milchmäuse im Finale sollten ein anderes Kaliber sein als in der Frühphase der Saison.
So begab es sich, dass die erste Halbzeit ein von Höhepunkten relativ befreites Spiel für die zahlreichen Zuschauer bot.
In der zweiten Halbzeit sollte sich dies ein wenig ändern, es gab ab und zu wenigstens einige Torchancen. Die größte in der “89. Minute”, als es auf einmal (und zum Unverständnis der Milchmäuse) Hand-Elfmeter für die Slowmo´s gab.
Gab es da nicht schon etwas? Ja natürlich, in der Vorrunde verschoss Kollege Volker bereits einen Elfmeter gegen die Jungs von Campus Süd in eben jener 89. Minute vollkommen unnötigerweise und den Gruppensieg kostend in die Arme des gegnerischen Torwarts.
Heute wollte sich der voller Zuversicht strotzende Kollege “Huth” aus der Abwehrregion das Leder schnappen und zum Turniersieg versenken. Soweit, so gut. Kann ja klappen. Doch was passiert? Auf einmal vereinigen 3 legendäre Szenen des Fußballs zu einem Bruchteil einer Sekunde am Sportplatz am Südpark:
- Uli Hoeneß´ Elfmeter 1976, der heute noch nachts über Belgrad zu sehen ist
- Uli Stielikes Elfmeter 1982, der bis heute einzige bei einer WM verschossene Elfmeter eines Deutschen
- David Beckhams Elfmeter 2003, als dieser auf einer Ölspur seiner Frisur ausrutschte und den Ball im Sternenhimmel über Istanbul versenkte.
Jedenfalls muss unser kleiner Slowmo exakt an diese 3 Personen gedacht haben, denn der Elfmeter landete nicht nur nicht im Tor, nicht nur darüber, nicht nur außerhalb des Sportgeländes (was von 10m hohen Bäumen begrenzt wird), nein, der Ball kam Wochen später mit einem Paket irgendwo aus der Nähe von Wülfrath wieder. Eine nette Familie hat sich des kleinen Balls angenommen und ihn an seine Besitzer zurückgeschickt.
Nun ja, also 89. Minute weiterhin 0:0, Elfer daneben. Kollege Turnschuh haderte mehr mit sich selbst, um in seiner Funktion als Verteidiger zu patzen und die größte Chance der Milchmäuse in der Nachspielzeit nicht zu verteidigen. Doch die Milchmäuse scheiterten am heute exzellenten Keeper (mit 5-6 sauber gefangenen Flanken/Einwürfen) und dem starken Verteidiger Bene. Abpfiff! Elfmeterschießen. Wie so oft. Das Folgende im Ticker aus Sicht eines Torwarts:
- Die Milchmäuse beginnen. Der Schütze ist schwer auszurechnen, Reaktion entscheidet. Der Schütze läuft an – links, rechts, Mitte, wohin? – und RUMMS, schlägt es nahezu mit Lichtgeschwindigkeit vom Torwart rechts unten ein. 1:0 Milchmäuse
- Volker übernimmt Verantwortung. Anlauf, gut gezielt, Ball fliegt Richtung Winkel, Torwart geschlagen….Außenpfosten! Nein, wieder verschossen.
- Die Milchmäuse. Der Stürmer. Diesmal weiß ich, wo er hin schießt. Links oben aus meiner Sicht, man sieht es ihm an. Er läuft an, ich einen Schritt ins Eck. Schuss. Guter Schuss. Winkel! Ich dran, aber 1cm Finger haben gefehlt. 2:0 !
- Nun gehts ans Eingemachte. Eine Führung von 2:0 ist nicht ohne. Ruhe bewahren
- Nun muss Georg ran. Bitte nicht wie vorher. Nein, knallhart ins linkere untere Eck! 2:1
- Der nächste Schütze der Milchmäuse hat das Ziel seines Schusses bereits mit Moses in eine der Steintafeln geritzt. Ganz klar, wo der hinschießt. Rechts. Der Schütze läuft an. Ich eine gefühlte Minute vorher schon in die richtige Ecke. Schuss – rechts! Gehalten! Immer noch 2:1
- Jetzt “durfte” ich selbst ran. Wie immer: Konzentrieren, nicht aus der Ruhe bringen lassen, anlaufen, Schießen. Kann so einfach sein. Ich laufe an, treffe halbwegs gut. Hart, links unten, TOR! 2:2. Ausgleich!
- Der nächste Schütze der Milchmäuse daher voller Angst, seine Mannen auf die Verliererstraße zu bringen. Anlauf, Schuss…hoch, Latte! Die Chance für uns!
- Unser Spieler Bruni läuft an. Versenkt leicht und flach zum 3:2, Führung!!
- Der kommende Spieler könnte der letzte sein. Die Milchmäuse unter Druck. Der Schütze schaut ab dem Punkt, wo er den Ball auf den Punkt legt, ganz offensichtlich für jeden im weiten Rund in eine Ecke. “Okay” denke ich, “dann schießt der auf jeden Fall in die andere”. Er läuft an, ich bewege mich nach links, Schuss! TOR. 3:3, der Fuchs war doch tatsächlich so schlecht, derart lang in die Ecke zu gucken, und dann auch noch da hin zu schießen.
Jetzt entscheidet sich alles. Bene, unser mit Abstand schlechtester Torschütze ist am Punkt. Ansage etwa 1 Stunde vor Spiel: “Bene, wenn du im Finale gleich den entscheidenden Elfmeter verwandelst, küsse ich Dir die Füße”. -Georg
Nun ist es also soweit. Verwandelt Bene, sind wir Turniersieger! Anlauf. Die ganze Anspannung ist zu spüren. Schuss. Der Ball kommt nicht mal ansatzweise ins Eck. Der Torwart bewegt sich aber ein wenig, der flache und schwach geschossene Ball kommt genau auf ihn zu. TUNNEL! TOR! 4:3! Uneinholbar vorn! Turniersieg! Rekordmeister! Ungeschlagener Rekordmeister! Erster der Ewigen Tabelle! Für immer legendär!
Dies war die Geschichte des Finals. Danach gab es noch ein rauschendes Fest, in dessen Zusammenhang eine bis dato unbekannte Truppe hundsgemeiner Diebe den wohlverdienten Siegerpokal entwendet hat. Und dann auch noch Tage später höhnisch ein Foto der Geisel online gestellt hat. Der Pokal ist seitdem verschollen, vielleicht taucht er nie wieder auf. Und ich hatte ihn an dem Abend nicht mal in der Hand
Und Georg küsste an selbigem Abend noch die nackten und verschwitzten Füße des entscheidenden Schützen Bene.
