Die Mitfahrgelegenheit zu Weihnachten – Drama oder Komödie?
Das Folgende könnte womöglich der Feder eines begabten Dramaturgen und Autors entsprungen sein – vielleicht ist es aber auch nur eine erzählenswerte Geschichte, wie sie das Leben zu schreiben pflegt. Die Namen und Orte sind möglicherweise frei erfunden. Drama oder Komödie. Wer weiß das schon?
Im vergangenen Dezember rückte Weihnachten wie jedes Jahr eigentlich mit Siebenmeilenstiefeln näher, bis man die Wärme des Atems der Rentiere Santas auf der Haut förmlich fühlen konnte. Es war also soweit: Ich sollte in einer neuerlichen Auflage der Mitfahrgelegenheit erst nach Weimar (ge)fahren (werden), um von dort mit meiner Freundin in den Weihnachtsurlaub bei ihren Eltern im Harz aufzubrechen. Hört sich soweit einfach an. Dachte ich auch.
Vorgeschichte: Eine bereits voll durchgeplante Mitfahrgelegenheit sagt mir 24h vor der geplanten Abfahrt ab. Panik! Wie jetzt nach Weimar kommen? Ah, eine Alternative. Anrufen! Von meinem Dilemma erzählen! Mitleid. Nein, sie will eine andere Strecke fahren. Betteln. Ja, sie nimmt mich mit!
48h später, etwa eine Woche vor Weihnachten: Die Mitfahrgelegenheit war terminiert, der Treffpunkt abgesprochen, der liebe Christian um Punkt 9 Uhr morgens in Wuppertal am Hauptbahnhof. Dankbar, dass die nette Fahrerin für den heutigen Tage sogar einen Umweg für mich in Kauf nehmen würde. Meine sonore Stimme schien auf sie eine sirenenhafte Auswirkung gehabt zu haben. Oder so ähnlich.
Nachdem sie fünf Minuten nach der verabredeten Zeit noch nicht am Treffpunkt angekommen war (praktischerweise übrigens das Restaurant “Zur Goldenen Möwe” – wo ich mich bereits mit einem Kaffee “to go” versorgt hatte), rief ich an. Keine Antwort. Wird mich da jemand versetzen?
Nach wenigen Augenblicken allerdings der Rückruf:
“Mein Auto springt nicht an. Mein Freund hat das Auto gestern gefahren, ich hoffe, das Benzin ist nicht leer.”
Üblicherweise kontrolliert man natürlich auch nicht den Benzinstand, bevor man 400km durch die Republik zu fahren gedenkt. Wozu auch. By the way war das der Anfang der Dezember-Eiszeit im Jahr 2009, es gab also auch in Deutschland tatsächlich vermehrt kristallines Wasser zu bestaunen – was direkt meine erste Vermutung gedeihen ließ: “Die Batterie ist leer.”
In der Zwischenzeit fand ich auch einen weiteren Mitfahrer. Setzte ihn über alles Wissenswerte in Kenntnis (die Mitfahrgelegenheit, das Wetter, mein Leben) und wir versorgten uns für die Wartezeit mit Kaffee.
Nach etwa einer halben Stunde kam ein Anruf:
“Ja, also, es ist nicht das Benzin. Keine Ahnung, was es ist, ich ruf mal den ADAC an. Wartet ihr?”
Ja natürlich warte ich! Wo soll ich denn auch hin? Außerdem fand ich die gesamte Situation zu dem Zeitpunkt bereits amüsant, dass ich mir das Ende des Dramas nicht entgehen lassen wollte.
Nach etwa einer guten weiteren Stunde Wartezeit (und einem zweiten Frühstück) der nächste Anruf:
“Der ADAC ist jetzt da. Es ist nicht der Anlasser. Er findet den Fehler auch nicht. Er ruft einen Abschleppdienst an.”
Hörte sich soweit super an. Vor allem der Fakt, dass sie einen Leihwagen in Aussicht gestellt bekommen hat. Mein neuer Freund Falk, der mit mir gewartet hatte, und ich, gingen zu Fuß (mit unseren weihnachtsgeschenkebepackten) Taschen zum Ort des Geschehens – der nur etwa 10 Minuten entfernt lag.
Nach kurzem Vorstellen und Gelächter über die Situation erschien auch fluchs der Abschleppdienst, der uns einen Leihwagen garantierte, der aber im Nachbarort Remscheid stünde – und nur zwei von uns drei Unglücklichen im Abschleppwagen mitfahren dürften. Wir zwei Mitfahrer, aus solidarität aneinandergekettet, zogen es vor, wieder in den Wuppertaler Hauptbahnhof zu marschieren, um nochmals knapp 1,5h zu warten, bis, ja, bis endlich und viereinviertel Stunden nach der geplanten Abfahrt es endlich losgehen konnte.
Es wurde eine Mercedes-B-Klasse. Noch vor dem Einsteigen wurde mir von der Fahrerin in ihrer (charmant) frauenhaften Art gesagt, dass sie sich mit dem neuen Auto doch unsicher fühle und ob ich nicht fahren wolle.
Welch Angebot. Erst gehts 4 1/4 Stunden später los, und dann darf ich auch noch selbst fahren – und für die Fahrt auch noch bezahlen. Na immerhin war das der einzige Lichtblick am Horizont – 4h Spaß beim Mercedes-Fahren!
Nach vier unterhaltsamen Stunden Autofahrt durfte ich dann an meinem Bestimmungsort aussteigen und habe sogar anständig Rabatt bekommen. Im nachhinein hätte ich für die Gaudi aber wohl auch den vollen (Eintritts-)Preis bezahlt. Danke für die acht schönen Stunden!
Zwei Tage später ging es dann bei -18°C durch den Harz…
Ich habe die Möglichkeit, zu schreiben, was grad in mir vorgeht, oder was ich irgendwem mitteilen möchte, und wildfremde Menschen lesen es *g* Und ich lese das von (mir) wildfremden Menschen…damit Prominente zu “stalken” ist fast wie ein Freund des Promis zu sein
– zieht vorübergehend zu einer Freundin nach Jena zur Untermiete. Also Umzug: Sachen in Kisten einpacken, Kisten schleppen, Möbel verfrachten. In etwa genau so. Kann Spaß machen. Muss es aber nicht. In der Regel mag ich Umzüge, die sind immer lustig.


